Be Alive Coaching 

 

Blogpost

07.02.2018

Du brauchst keine Angst haben

Vom Märchen über die Angst - oder - wie wir unseren Kindern suggerieren, dass ihre Gefühle nicht richtig sind
 
   
Betrachten wir einmal die Tatsache, dass wir aus Gefühlen bestehen. Jeder von uns kennt sie. Freude, Trauer, Ärger, Wut, Angst, Hass, Hunger, Müdigkeit, Lust, Energie, Trotz, Liebe, Neid, Scham und so weiter. Gefühle kommen und gehen. Sie gehören zu unseren Grundbedürfnissen.

Nun ist es so, dass wir unangenehme Gefühle nicht so mögen. Wir wollen sie wegmachen. Ja wir suchen uns sogar Hilfe bei Psychologen um unsere Depression, Angst oder Aggression “weg zu machen”. Doch das funktioniert nicht. Wir können keine Grundempfindungen wegmachen. Auch ein Psychologe nicht. Doch woher kommt es, dass wir die unangenehmen Empfindungen zum einen überhaupt als negativ ansehen und zum andern, wegmachen wollen?

Das liegt in unserer Kindheit begründet. Und dieser „Fehler“ erstreckt sich bis heute in unsere doch so moderne Erziehung.
Nehmen wir ein einfaches Beispiel. Die Angst. Angst- und Panikstörungen sind heute weit verbreitet. Menschen bekommen Panikatacken, können das Haus nicht mehr verlassen, fürchten zu ersticken oder einen Herzinfarkt zu erleiden… Ängste bestimmen zunehmend den Alltag unserer Gesellschaft. Angst vor dem nächsten Anschlag, Angst vor einen Überfall, Angst vor den bösen Syrern, Angst vor der Dunkelheit, dem Sterben oder aber auch der Veränderung. Überall Angst und Panik.

Ich behaupte, alle diese Menschen haben in der Kindheit, oder sogar noch heute, den berühmten Satz gehört: „Du brauchst keine Angst zu haben.“ Halten wir kurz Inne. Ein lapidarer daher gesagter Satz mit doch einer hohen Wirkung. „Du brauchst keine Angst zu haben.“ Wer Kinder hat, kann sich einmal bewusst beobachten, wie oft er diesen Satz sagt.
Welche Aussage steckt dahinter, wenn wir dies sagen? Dein Gefühl ist nicht richtig. Du bist nicht richtig. Angst zu haben ist nicht richtig. … Was muss das in einem kleinen Kind auslösen? Ersetzen wir die Angst durch ein anderes Gefühl. Hunger. Niemand sagt zu seinem Kind, wenn es äußert, dass es Hunger hat „Du brauchst keinen Hunger zu haben“. Doch darin besteht keinerlei Unterschied. Außer, dass wir wissen, was wir bei Hunger machen können, um das Gefühl vorerst „wegzumachen“. Nämlich Essen. Doch bei der Angst wissen wir das nicht.

Aber was können wir nun besser machen, als unseren Kindern zu suggerieren „Deine Angst ist nicht richtig“?
Wir können in erster Linie die Angst zulassen. Wir können dem Kind erklären, dass die Angst da ist und dass es okay ist, Angst zu haben. Ich persönlich nutze Sätze wie: „Ja du hast jetzt Angst. Fühl mal deine Angst. Es kann dir nichts passieren. Beobachte deine Angst. Deine Angst geht wieder weg.“  … Gefühle kommen und gehen. Das sollten wir unseren Kindern beibringen. Wir können keine Gefühle wegmachen, denn sie kommen immer wieder. Wenn wir aber lernen, wie wir richtig damit umgehen, bleiben sie nicht mehr so lang und belasten uns nicht mehr.

Angst- und Panikattacken sind die Ergebnisse von jahrelangen wegdrücken der Angst. Wenn wir frühzeitig beginnen, unsere Gefühle einfach zu fühlen, und sie anzunehmen als Zugehörigkeit unser Selbst, beugen wir solchen Erkrankungen vor und wir zeigen uns und unseren Kindern, dass genau das was wir fühlen, richtig ist. Dass WIR richtig sind, so wie wir sind.
Dies kann man auf alle anderen Gefühle übertragen. Wutanfälle in der Trotzphase – wir Eltern wollen immer, dass die Kinder nicht wütend sind. Aber die Wahrheit ist – sie sind es. Und sie dürfen es sein. „Du mein Kind, darfst jetzt wütend sein – und ich liebe dich.“ Dieser Satz wirkt viel mehr als ein genervtes oder gar aggressives „Hör auf rumzuschreien!“

Ändern wir also unseren Blickwinkel – Gefühle kann man nicht wegmachen – sie gehören zu uns und sind immer richtig -  und das Leben wird viel schöner und leichter.
 
Kathrin Baum – BeAlive Coaching
Therapeut für Persönlichkeitsentwicklung 

Admin - 20:28 | Kommentar hinzufügen

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